Tusche/Bambusfeder


Ein Experiment mit starken Gefühlen

Diese Serie zeigt den Prozess, der sich entwickelt hat, als ich meine in diesem Moment empfundene Wut zu Papier gebracht habe.

Meine Gedanken zur Wut

Unsere Gesellschaft steht diesem Gefühl etwas hilflos gegenüber. Als Kinder bekommen wir beigebracht Wut zu unterdrücken, oder zumindest als unangemessen oder negativ zu betrachten. Wir bleiben stecken in einer Abwehrhaltung, unterdrücken das Gefühl, lehnen uns dafür ab und wissen schon gar nicht, was wir eigentlich damit anfangen sollen. Ich finde, dass der Umgang mit Wut ein wichtiges Thema für uns alle ist, und möchte an dieser Stelle das Buch Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg empfehlen – für alle, die Interesse an diesem Thema haben.


At the core of all anger is a need that is not being fulfilled.

Marshall B. Rosenberg

Die Wut anerkennen

Ich persönlich habe mich in einem Gefühl der Wut dazu entschlossen, diese wilde Energie auf Papier zu bringen und einfach zu sehen was passiert. Zunächst habe ich intuitiv das Werkzeug dafür ausgewählt. Ich habe mich für schwarze Kalligrafietusche und eine einfache, sehr robuste Bambusfeder entschieden. Es entstand eine Bildserie, die einen inneren Prozess wiedergibt.


Die dumpfe Wut unter der Oberfläche

Zu beginn habe ich nur mit meinen Fingern gemalt. Etwas zögerlich, noch nicht so ganz im Fluss, trotzdem mit Kraft.

Die Explosion

Hier habe ich zur Feder gegriffen und das Gefühl komplett hineinfließen lassen. Es entstand ein wilder Strudel mit zerstörerischer Kraft.

Die Verwandlung

Das Gefühl ist noch da, doch eine Leichtigkeit mischt sich darunter. Als wäre die zerstörerische Energie verwandelt. Ich sehe zwei Figuren, die je nach Perspektive, kämpfen oder sich im Tanze drehen.


Das Potenzial der Wut entfalten

Diese Art zu Malen wirkt sehr befreiend. Ich möchte damit zeigen, dass unseren negativen Gefühlen etwas sehr Kraftvolles innewohnt, das durch Zuwendung zu einer Bereicherung und einer ästhetischen Gestalt geformt werden kann. Ein weiteres Experiment habe ich mit dem Gefühl der Angst gewagt – ein ebenfalls nicht allzugern gesehener Gast.